Ver­lo­re­ner Text im Codex Bezae wie­der­ent­deckt

Auf der jähr­li­chen Kon­fe­renz der Socie­ty of Bibli­cal Lite­ra­tu­re (SBL) in Bos­ton, Mas­sa­chus­setts der ver­gan­ge­nen Tage prä­sen­tier­te Eli­jah Hix­son, Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­ty of Edin­burgh, die Ent­de­ckung eines ver­lo­re­nen Text im Codex Bezae vor und zeig­te außer­dem, wie der ver­lo­re­ne Tex­tes wie­der­her­ge­stellt wer­den konn­te.

Der Codex Bezae (auch: Codex Bezae Cantab­ri­gi­en­sis) ist eine Hand­schrift des Neu­en Tes­ta­ments in grie­chi­scher und latei­ni­scher Spra­che aus dem 5. Jahr­hun­dert. Er war der ein­zi­ge Bibel­text aus dem ers­ten Jahr­tau­send, der im 16. Jahr­hun­dert bekannt wur­de. Der Kodex trägt sei­nen Namen von Theo­dor Beza. Beza schenk­te die­sen Codex der Uni­ver­si­tät von Cam­bridge. Gemäß Beza sei der Codex vor­her im Klos­ter St. Ire­nä­us bei Lyon gewe­sen. Der Codex Bezae ent­hält die vier Evan­ge­li­en in der Rei­hen­fol­ge der west­li­chen Hand­schrif­ten (Mat­thä­us, Johan­nes, Lukas, Mar­kus) und einen Teil der Apos­tel­ge­schich­te. Der Codex Bezae besteht aus 415 ein­spal­tig beschrie­be­nen Blät­tern (26 × 21,5 cm). Die lin­ke Sei­te ist jeweils grie­chisch, die rech­te latei­nisch.

Der Codex Bezae ist jedoch nicht voll­stän­dig. Es gibt eini­ge Lücken zwi­schen den Blät­tern, d. h. eini­ge Blät­ter sind nicht mehr vor­han­den. Eine Lücke z. B. befin­det sich zwi­schen 446v-455r (446v = Blatt 446 Rück­sei­te [verso]; 455r = Blatt 455 Vor­der­sei­te [recto]). Dort feh­len ins­ge­samt 9 Blät­ter. Der Pro­fes­sor Eli­jah Hix­son konn­te nun zei­gen, dass es unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mög­lich ist, einen Teil des ver­lo­re­nen Text trotz des Nicht­vor­han­den­seins zu rekon­stru­ie­ren. Eli­jah Nix­son erklär­te zunächst, dass bei der genaue­ren Betrach­tung eini­ger Sei­ten schwa­che und unre­gel­mä­ßi­ge Tin­ten­spu­ren auf den ein­zel­nen Sei­ten zu fin­den sind, die auf eigent­li­chen Sei­ten­text kei­nen Sinn erga­ben. Auf­grund der Umstän­de der anlie­gen­den Sei­ten ver­mu­te­te er zunächst, dass ein Was­ser­scha­den einst vor­lag. Bei einem Was­ser­scha­den kle­ben zwei Papier­sei­ten anein­an­der. Das Was­ser feuch­tet die getrock­ne­te Tin­te der Sei­ten wie­der an und kann einen Abdruck auf der ande­ren, gegen­über lie­gen­den feuch­ten Sei­te hin­ter­las­sen; ähn­lich wie bei einem Stem­pel. Sobald die Sei­ten aus­ein­an­der­ge­nom­men wor­den und getrock­net sind, kann sich ein schwa­cher, sei­ten­ver­kehr­ter Abdruck des Text auf der gegen­über lie­gen­den Sei­te befin­den.

Vorderseite des Blattes 455 des Codex Bezae

Vor­der­sei­te des Blat­tes 455 des Codex Bezae (CC BY-NC 3.0)

Dass ein Was­ser­scha­den einst zwi­schen 446v-455r vor­lag, war ver­mut­lich auch der Grund dafür, dass die Sei­ten nun fehl­ten, weil sich feucht und unbrauch­bar wor­den. Daher wur­den sie ver­mut­lich auch ent­fernt. Um den durch den Was­ser­scha­den auf der ande­ren Sei­te auf­ge­tra­ge­nen Texts stel­len­wei­se wie­der zu rekon­stru­ie­ren, ver­wen­de­te Eli­jah Hix­son und sein Team natür­lich moder­ne Soft­ware­tech­nik. Durch Anwen­dung bestimm­ter Fil­ter der Soft­ware konn­ten die ein­zel­nen Wör­ter des Tex­tes aus der vor­her­ge­hen­den Sei­te, die nicht mehr vor­han­den war, wie­der rekon­stru­iert wer­den

Das Ergeb­nis der Rekon­struk­ti­on soll im kom­men­den Jahr in der Fach­zeit­schrift New Tes­ta­ment Stu­dies ver­öf­fent­licht wer­den.

Quel­len des Bei­tra­ges: Evan­ge­li­cal Tex­tu­al Cri­ti­cismCam­bridge Uni­ver­si­ty Libra­ry Spe­cial Collec­tions Blog

Quel­le des Bei­trag­bil­des: Uni­ver­si­ty of Cam­bridge Digi­tal Libra­ry (Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on-Non­Com­mer­ci­al 3.0 Unpor­ted Licen­se)

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