Aus­rich­tung von anti­ken Häu­sern der Israe­li­ten wäh­rend der Eisen­zeit

Avra­ham Faust, Pro­fess­sor für Archäo­lo­gie an der Bar-Ilan Uni­ver­si­ty in Tel Aviv (Isra­el), stell­te fol­gen­des Mus­ter fest: vie­le der Häu­ser und Wohn­bau­ten, die von den Israe­li­ten wäh­rend der Eisen­zeit in Isra­el und Judäa erbaut wor­den sind, wei­sen einen domi­nan­te Aus­rich­tung gegen Osten aus. Gibt es ein Grund für die­se auf­fäl­li­ge Bau­wei­se?

Um etwas Licht ins Dun­kel für die­se zunächst obsku­re Tat­sa­che zu brin­gen, unter­such­te Avra­ham Faust ver­schie­de­ne archäo­lo­gi­schen Doku­men­ta­tio­nen und Fun­de von israe­li­schen Sied­lun­gen, die wäh­rend der Eisen­zeit (ca. 1200 – 1000 vor chr. Zeit­rech­nung begin­nend) gegrün­det und erbaut sind. Faust ver­glich die Daten dabei mög­li­chen Indi­zi­en und Hin­wei­sen aus der Bibel, um eine Ant­wort für die unge­wöhn­li­che Bau­wei­se zu erhal­ten. Sei­ne Resul­ta­te wird Avra­ham Faust in der Aus­ga­be November/Dezember 2017 der Fach­zeit­schrift Bibli­cal Archaeo­lo­gy Review ver­öf­fent­lich­ten.

Es sei aber schon gesagt, dass die Aus­rich­tung von Bau­ten der Israe­li­ten sich nicht nur auf Häu­ser beschränkt, son­dern auch reli­giö­se Bau­ten ein­be­zo­gen wor­den sind. So sind z. B. vie­le jüdi­sche Grab­stei­ne zum Osten aus­ge­rich­tet. Auch Sala­mons Tem­pel, der einst auf den Tem­pel­berg stand, hat­te vor sei­ner Zer­stö­rung durch die Baby­lo­ni­er eine ost­wär­ti­ge Aus­rich­tung. So heißt es im 1. Buch der Köni­ge, Kapi­tel 8, Vers 12 – 13 (Hebrew OT & Luther­bi­bel 2017):

12 אז אמר שלמה יהוה אמר לשכן בערפל׃ 13 בנה בניתי בית זבל לך מכון לשבתך עולמים׃

(12) Da sprach Salo­mo: Die Son­ne hat der HERR an den Him­mel gestellt. Er hat aber gesagt, er wol­le im Dun­kel woh­nen. (13) So habe ich nun ein erha­be­nes Haus gebaut dir zur Woh­nung, eine Stät­te, dass du ewig­lich da woh­nest.

Es zeigt sich hier, dass sich hier in der eigent­li­chen mono­the­is­ti­schen Anbe­tung noch eine ver­steck­te Spur des frü­he­ren Göt­zen­glau­ben durch die Kana­a­nä­er vor­han­den ist. Die Kana­a­nä­er waren der Göt­zen­kult ver­fal­len und dien­ten meh­re­ren, ver­schie­de­nen Göt­zen, wie etwa der baby­lo­ni­schen Son­nen­göt­ze Šamaš (Scha­masch). Die Wur­zel Š-m-š bzw. S-m-s steht in allen semi­ti­schen Spra­chen für „Son­ne“, etwa im ara­bi­schen شَمْس (Schams) oder im Hebräi­schen שֶׁמֶשׁ (Shä­mäsh). Da die Son­ne im Osten auf­geht, fin­det sich eine gewis­se Ana­lo­gie in der Bau­wei­se bei den Israe­li­ten wie­der, die ihre Bau­ten zum Osten aus­rich­te­ten. Zwei­fels­oh­ne war ein Groß­teil des israe­li­ti­schen Vol­kes ein fre­vel­haf­tes Volk gewe­sen: sie erfuh­ren von Gott immer wie­der Gna­den und Wun­der und zu ihnen wur­den die meis­ten bibli­schen Pro­phe­ten zuge­sandt, doch lei­der ver­fie­len sie auch umso häu­fi­ger in Göt­zen­kult und fal­sche Anbe­tung, wie archäo­lo­gi­sche Fun­de dar­auf hin­deu­ten oder die Geschich­ten aus der Bibel es selbst bezeu­gen, z. B. der Tanz um das Gol­de­ne Kalb oder die Ver­eh­rung des Baal.

Die Ausgrabungen am Tell Be’er Scheva

Die Aus­gra­bun­gen am Tell Be’er Sche­va (CC BY-SA 3.0)

Quel­le des Bei­trags: Israe­li­te Cos­mo­lo­gy and the Ori­en­ta­ti­on of Iron Age Hou­ses

Quel­le des Bei­trag­bil­des: Wiki­pe­dia; Tel Be’er She­va Over­view 2007041.JPG (CC BY-SA 3.0)

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